Gemeinde Melsdorf
im Amt Achterwehr
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Zahlreiche Funde belegen, dass auf dem heutigen Melsdorfer Gemeindegebiet schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Menschen lebten.
Im Jahre 1304 werden Miltigestorpe, Vlemigehude und Quarnebeke zusammenhängend im ältesten Kieler Rentebuch genannt.
Quarn – Quern = Mühle
Bek = Bach
Quarnbek = Mühlenbach = Melsdorfer Au
Melsdorf gehörte über Jahrhunderte zum adeligen Gut Quarnbek und zum Kirchspiel Flemhude.
Ab 1797 liegen uns in Originalen Zeitpachtverträge vor, die Melsdorfer Hufner und Kätner mit der adeligen Gutsherrschaft von Quarnbek abzuschließen hatten. Sie regelten auch die zu leistenden Hand- und Spanndienste und dokumentieren, dass jede Koppel und jeder Garten in Melsdorf dem Gut Quarnbek gehörte.
Wie überall in den beiden Herzogtümern wurde die Leibeigenschaft im Jahre 1805 auch für den Gutsbezirk Quarnbek aufgehoben.
In Melsdorf brannten 1885 und in den folgenden Jahren etwa 20 reetgedeckte Bauernstellen und Katen nieder, wobei vielfach Brandstiftung vermutet wurde. Brände vernichten auch 1882 in Flemhude das Pastorat und 1946 das Quarnbeker Herrenhaus.
Erst 1891 konnten die bisherigen Hufenpächter ihre Gehöfte kaufen und Eigentümer werden.
1894 gründeten die Melsdorfer ihre Freiwillige Feuerwehr, 1900 die Spar- und Darlehnskasse und 1928 den TSV Melsdorf.
Mit Wirkung vom 1.1.1899 „haben des Königs Majestät mittelst Allerhöchsten Erlasses zu genehmigen geruht“, dass die Ortschaften Melsdorf, Mettenhof und Fegefeuer von dem Gutsbezirk Quarnbek abgetrennt werden und daraus die Landgemeinde Melsdorf gebildet wird. Daran soll ein Findling gegenüber der Schule mit der ursprünglichen Inschrift „Gemeinde Melsdorf – 1899“ erinnern.
Der Meierhof Mettenhof entstand um 1670. Der damalige Besitzer von Quarnbek, Hans Heinrich Freiherr von KIELMANNSEGG (1636-1686), benannte ihn nach seiner ersten Ehefrau Meta, geborene von der Wisch. Zum Mettenhof gehörten sieben Melsdorfer Landinsten mit ihren Instenkaten.
Im Jahre 1963 wurde der bisherige Melsdorfer Ortsteil Mettenhof (158 ha) mit der ab 1937 entstandenen Leichtbausiedlung Alt-Mettenhof und 525 Einwohnern nach Kiel umgemeindet.
Als Gegenleistung erhielt Melsdorf den Anschluß an die Kieler Vollkanalisation und das Kieler Wasser- und Stromnetz. 1965 erfolgte symbolisch die Grundsteinlegung für Kiels neuen Stadtteil Mettenhof.
Den ebenfalls um 1670 entstandenen Meierhof Dorotheenthal benannte KIELMANNSEGG nach seiner zweiten Ehefrau Dorothea, geborene von Reventlow.
Von Melsdorf aus in alle Richtungen verlaufende alte Fußwege benutzten Landarbeiter und Handwerker, um an ihre Arbeitsplätze auf dem Gut Quarnbek, den Meierhof Mettenhof oder in Nachbarorte zu gelangen.
So gingen die Melsdorfer auch über Jahrhunderte zu Fuß nach Flemhude in die Kirche, den heutigen Karkkamp entlang und dann über einen Kirchenweg, der über eine Quarnbeker Koppel in Richtung Flemhude führte.
Mehrere Anfragen von außerhalb belegen das Interesse am Ortsnamen Fegefeuer. Die ehemals vielbefahrene Landstraße Landwehr – Rothenhahn befand sich früher, wohl vor allem bei Regenwetter, in einem sehr schlechten Zustand. „Dat is hier jo dat reinste Fegfüer“, sollen nach

Ehemalige Viertelhufe von Hans Mordhorst (Aufnahme etwa von 1925)
mündlicher Überlieferung Fuhrleute geflucht und damit dem Melsdorfer Ortsteil Fegefeuer seinen Namen geben haben. Bevor man endgültig nach Flemhude auf den Friedhof gefahren werde, so Wilhelm Hartmann (1879-1956) in seinen Lebenserinnerungen, müsse man erst einmal „durch das Fegefeuer“.
Bemerkenswert sind auch die Namen der Gehöfte „Wittschap“, „Schwartenbock“ und „Griesenbötel“ (Bötel = Hammel) an der früheren „Heerstraße von Kiell gen Rendesburg“, der späteren B 202 und heutigen K 93. In diesem Bereich befand sich laut „Landtcarte – Anno 1649“ von Johannes MEJER früher eine „Scheperi“ = Schäferei.
Schulchronik, Gemeindeprotokolle und andere Aufzeichnungen erwähnen einen Melsdorfer Bürgerverein, der 1918 gegründet und 1932 – mit Beginn der NS-Zeit – aufgelöst wurde. Das erst kürzlich aufgefundene Protokollbuch gibt Einblick in die heute wohl für viele jüngere Melsdorfer unvorstellbare Not, die bei uns im Ort – wie überall in Deutschland – nach dem Ersten Weltkrieg herrschte.
1921 wird „in mehreren Gemeindeversammlungen beschlossen, die Dorfschaft Melsdorf mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft zu versorgen“.
Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auch in Melsdorf viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufgenommen. So mußten im April 1947 in der Melsdorfer Schule 331 Schulkinder vom 1. bis 9. Schuljahr durch 2 Lehrkräfte in 2 Klassenräumen unterrichtet werden.
Im Ersten Weltkrieg sind 27 und im Zweiten Weltkrieg mehr als 50 Melsdorfer und Mettenhofer gefallen, gelten als vermißt oder sind an ihren Kriegsverletzungen gestorben.
1926 wird das Ehrenmal für die Gefallenen eingeweiht.
o Nach 1900 entstehen die ersten Häuser in der Bahnhofstraße und
o um 1935 im Bereich Birkenweg.
o Auf der bisher zum Rothenhof gehörenden Schmiedekoppel werden 1967 die ersten von 29 Häusern bezogen.
o Am Dom – Rothenberg hatten sich 1977 bei Übergabe der Erschließungsanlagen an die Gemeinde 140 Neubürger mit 35 Einfamilienhäusern angesiedelt.
o Ab 1978 werden im Neubaugebiet Moorblöcken – Birkenweg 34 Grundstücke bebaut. 12 davon werden an den Birkenweg angeschlossen.
o 1982 beginnen die Erschließungsarbeiten für die Schneiderkoppel, wo 23 Ein- und Zweifamilienhäuser entstehen sollen.
o Ab 1994 entsteht das Wohngebiet Am Dörpsdiek mit dem Dorfplatz als neuer Dorfmitte, Läden und Bushaltestelle.
o 2009 beginnen die Planungen für ein neues Wohngebiet Köhlerkoppel.
Mit der Fertigstellung des Bahnhofs im Jahre 1904 war Melsdorf bis 1984 Bahnhaltepunkt. Durch die Kieler Verkehrs AG wird im Jahre 1970 eine Busverbindung zwischen Melsdorf und Kiel eingerichtet.
Nach dem Konzept für eine StadtRegionalBahn Kiel (SRB) soll per Gleis Kiels Innenstadt mit den Endpunkten Eckernförde, Suchsdorf, Melsdorf, Neumünster, der Wik, Neumühlen-Dietrichsdorf und Schönberger Strand sowie Preetz verbunden werden.
Weitere Einzelheiten zur Melsdorfer Geschichte sind in der "Chronik Melsdorf" enthalten.
Rolf Dornbusch